Kann ein Planet erst entstehen, nachdem sein Stern gestorben ist? auf sciblog.at
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Kann ein Planet erst entstehen, nachdem sein Stern gestorben ist?



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Planeten entstehen normalerweise gemeinsam mit ihren Sternen. Eine Gas- und Staubscheibe um einen jungen Stern verklumpt allmählich zu größeren Körpern, aus denen schließlich Planeten werden. Ist der Stern viele Milliarden Jahre später am Ende seines Lebens angelangt, scheint diese Entstehungsphase längst abgeschlossen.

Eine neue Studie stellt diese einfache Reihenfolge jedoch infrage.

Astronomen haben beim Weißen Zwerg HS 0209+0832 Hinweise auf einen ungewöhnlichen Gasriesen gefunden, dessen chemische Zusammensetzung kaum zu einem gewöhnlichen Planeten passt. Besonders auffällig sind große Mengen von Elementen wie Kupfer, Zink und vor allem Niob – Stoffe, die während der späten Entwicklungsphase eines Sterns entstehen können.

Die Forscher halten deshalb eine ungewöhnliche Erklärung für plausibel: Der Planet könnte erst aus Material entstanden sein, das sein Stern am Ende seines Lebens ins All abgestoßen hatte.

Es wäre damit ein Planet der „zweiten Generation“.

Besonders paradox ist, dass der Stern diesen möglicherweise selbst erzeugten Planeten nun offenbar wieder zerstört. Der heiße Weiße Zwerg bestrahlt den Gasriesen so stark, dass dieser Atmosphäre verliert. Ein Teil dieses Materials fällt anschließend zurück auf den Stern – und genau dadurch konnten Astronomen seine ungewöhnliche chemische Zusammensetzung überhaupt entdecken.

Der Stern selbst ist längst tot

HS 0209+0832 ist ein Weißer Zwerg.

Weiße Zwerge sind die Überreste von Sternen, die ursprünglich ungefähr die Masse unserer Sonne oder einige Sonnenmassen besaßen.

Ein solcher Stern verbringt den größten Teil seines Lebens damit, in seinem Inneren Wasserstoff zu Helium zu verschmelzen.

Wenn der Wasserstoff im Kern knapp wird, verändert sich das Gleichgewicht im Stern. Seine äußeren Schichten blähen sich auf, und der Stern wird zum Roten Riesen.

Später durchläuft er eine weitere Entwicklungsphase, die Astronomen als asymptotischen Riesenast oder AGB-Phase bezeichnen.

Während dieser Phase verliert der Stern einen erheblichen Teil seiner äußeren Materie.

Gas und Staub werden ins All geschleudert.

Zurück bleibt schließlich der extrem dichte heiße Kern: ein Weißer Zwerg.

In ungefähr fünf Milliarden Jahren wird auch unsere Sonne einen ähnlichen Entwicklungsweg einschlagen.

HS 0209+0832 hat diese Phase bereits hinter sich.

Ein Weißer Zwerg ist ungefähr so groß wie die Erde

Weiße Zwerge gehören zu den erstaunlichsten Objekten im Universum.

Sie besitzen häufig einen erheblichen Teil der Masse der Sonne, sind aber nur ungefähr so groß wie die Erde.

Materie ist dort deshalb extrem dicht gepackt.

Ein Teelöffel Material eines Weißen Zwergs würde auf der Erde mehrere Tonnen wiegen.

Im Inneren findet normalerweise keine Kernfusion mehr statt.

Der Stern leuchtet lediglich weiter, weil er nach seiner Entstehung noch extrem heiß ist und über Milliarden Jahre langsam auskühlt.

HS 0209+0832 gehört zu den besonders jungen Weißen Zwergen.

Seine Oberflächentemperatur beträgt ungefähr 35.800 Kelvin.

Zum Vergleich: Die Oberfläche der Sonne erreicht knapp 5.800 Kelvin.

Der Weiße Zwerg ist damit mehr als sechsmal heißer als unsere Sonne.

Erst fünf Millionen Jahre sind seit dem Sternentod vergangen

Aus Modellen der Sternentwicklung lässt sich abschätzen, wie lange ein Weißer Zwerg bereits abkühlt.

Bei HS 0209+0832 beträgt dieses sogenannte Kühlalter nur ungefähr fünf Millionen Jahre.

Astronomisch betrachtet ist das extrem kurz.

Der Stern befindet sich also noch relativ unmittelbar nach jener dramatischen Phase, in der sein Vorgängerstern seine äußeren Schichten abgestoßen hat.

Genau dieser Umstand ist für die neue Interpretation wichtig.

Wenn aus dem ausgestoßenen Material tatsächlich ein neuer Planet entstanden ist, musste dies innerhalb weniger Millionen Jahre geschehen.

Planetenbildung wäre damit nicht ausschließlich ein Vorgang der Jugend eines Sternsystems.

Unter besonderen Bedingungen könnte sie sogar noch nach dem Tod des ursprünglichen Sterns stattfinden.

Die entscheidenden Daten lagen seit 1999 im Archiv

Besonders bemerkenswert ist, dass die entscheidenden Beobachtungen gar nicht neu sind.

Das Hubble-Weltraumteleskop beobachtete HS 0209+0832 bereits 1999 mit seinem Space Telescope Imaging Spectrograph.

Damals entdeckten Astronomen mehrere chemische Elemente in der Atmosphäre des Weißen Zwergs.

Außerdem fanden sie ungefähr 100 Absorptionslinien, deren Ursprung zunächst nicht erklärt werden konnte.

Absorptionslinien funktionieren wie chemische Fingerabdrücke.

Atome und Ionen absorbieren Licht bei ganz bestimmten Wellenlängen.

Wird das Licht eines Sterns in sein Spektrum zerlegt, erscheinen diese Wellenlängen als dunklere Linien.

Anhand ihrer Position können Astronomen bestimmen, welche chemischen Elemente in einer Sternatmosphäre vorhanden sind.

Die etwa 100 unbekannten Linien blieben mehr als zwei Jahrzehnte lang ein Rätsel.

Erst neue Atomdaten und verbesserte Modelle machten jetzt eine genauere Identifikation möglich.

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Niob brachte die entscheidende Spur

Bei der erneuten Analyse konnten die Forscher einen großen Teil der zuvor unbekannten Linien erklären.

Besonders wichtig war die Identifikation von Niob.

Die Wissenschaftler fanden insgesamt fünf Linien von dreifach ionisiertem Niob und 57 Linien einer noch stärker ionisierten Form.

Niob ist auf der Erde ein vergleichsweise seltenes Metall.

In gewöhnlichem planetarem Material kommt es nur in kleinen Mengen vor.

Beim Weißen Zwerg HS 0209+0832 war seine Häufigkeit dagegen außergewöhnlich hoch.

Relativ zu Calcium war Niob mehr als tausendmal stärker vertreten, als man es bei einer Zusammensetzung ähnlich der Sonne erwarten würde.

Und genau dieses Element liefert einen wichtigen Hinweis darauf, woher das Material stammen könnte.

Sterbende Sterne sind chemische Fabriken

Während ein Stern altert, verändert sich nicht nur seine Größe.

Auch in seinem Inneren entstehen neue chemische Elemente.

Besonders wichtig ist dabei der sogenannte s-Prozess.

Das „s“ steht für „slow neutron capture“, also langsamen Neutroneneinfang.

Atomkerne nehmen dabei nacheinander Neutronen auf.

Zwischen diesen Einfangprozessen können radioaktive Kerne zerfallen und sich dadurch in andere Elemente verwandeln.

Auf diese Weise entstehen zahlreiche Elemente, die schwerer als Eisen sind.

AGB-Sterne gehören zu den wichtigsten Orten im Universum, an denen dieser Prozess stattfindet.

Unter anderem können dabei große Mengen von Elementen wie Zirkonium, Barium und Niob entstehen.

Wenn ein alter Stern anschließend seine äußeren Schichten verliert, trägt der Sternwind genau diese neu erzeugten Elemente ins All.

Ein gewöhnlicher Planet müsste anders aussehen

Wenn ein Weißer Zwerg Material von einem normalen Planeten oder Asteroiden aufnimmt, ähnelt dessen chemische Zusammensetzung meist grob bekannten Gesteinskörpern.

Astronomen haben inzwischen zahlreiche sogenannte verschmutzte Weiße Zwerge untersucht.

Der Begriff „verschmutzt“ klingt dramatisch, bedeutet aber lediglich, dass Elemente schwerer als Wasserstoff oder Helium in ihrer Atmosphäre nachweisbar sind.

Dort dürften sie eigentlich nicht lange bleiben.

Die enorme Schwerkraft eines Weißen Zwergs zieht schwere Elemente innerhalb relativ kurzer Zeit in tiefere Schichten.

Wenn sie trotzdem sichtbar sind, muss ständig neues Material nachgeliefert werden.

In vielen Fällen stammen diese Elemente von Asteroiden oder Planetenresten, die dem Weißen Zwerg zu nahe gekommen sind und auseinandergerissen wurden.

Die Zusammensetzung solcher Trümmer ähnelt häufig Gestein aus unserem Sonnensystem.

Bei HS 0209+0832 ist das jedoch anders.

Eisen fehlt fast vollständig

Besonders auffällig ist das Verhältnis gewöhnlicher gesteinsbildender Elemente.

In der Erde machen Eisen und Silizium zusammen fast die Hälfte der Masse aus.

Auch Meteoriten enthalten große Mengen davon.

Beim Material um HS 0209+0832 fanden die Astronomen dagegen nur geringe Mengen Silizium.

Eisen konnten sie überhaupt nicht nachweisen.

Gleichzeitig fanden sie vergleichsweise viel Nickel.

Das Verhältnis von Nickel zu Eisen lag mindestens bei ungefähr 2.

Bei der Erde und primitiven Meteoriten liegt es eher bei etwa 0,05.

Das Material besitzt damit eine chemische Zusammensetzung, für die im Sonnensystem kein gutes Gegenstück bekannt ist.

Genau so könnte ausgestoßenes Sternmaterial aussehen

Die Wissenschaftler verglichen die gemessenen Häufigkeiten anschließend mit theoretischen Modellen alter AGB-Sterne.

Dabei zeigte sich eine bemerkenswerte Übereinstimmung.

Sternmodelle sagen voraus, dass die abgestoßenen äußeren Schichten eines solchen Sterns besonders viel Kohlenstoff enthalten können.

Auch Nickel, Kupfer und Zink können angereichert sein.

Am auffälligsten ist jedoch Niob.

Genau dieses Element sollte im Material eines sterbenden Sterns durch den s-Prozess stark angereichert werden.

Die beobachtete Zusammensetzung passt deshalb wesentlich besser zu ehemaligem Sternmaterial als zu einem Planeten, der gemeinsam mit dem ursprünglichen Stern entstanden ist.

Aus dem Tod des Sterns könnte eine neue Scheibe entstanden sein

Damit ergibt sich ein ungewöhnliches Szenario.

Als der Vorgängerstern von HS 0209+0832 sein Lebensende erreichte, verlor er große Mengen Gas und Staub.

Normalerweise breitet sich dieses Material immer weiter im interstellaren Raum aus.

Ein kleiner Teil könnte jedoch im System geblieben sein.

Wenn genügend Material gebunden blieb und genügend Drehimpuls besaß, könnte es eine neue Scheibe um den entstehenden Weißen Zwerg gebildet haben.

Diese Scheibe wäre gewissermaßen eine zweite protoplanetare Scheibe.

In ihr könnten Staubteilchen zusammenstoßen und verklumpen.

Aus kleinen Körpern könnten größere entstehen.

Und schließlich könnte daraus ein neuer Planet hervorgehen.

Nicht aus dem Material, aus dem der Stern einst geboren wurde, sondern aus Materie, die zuvor im Inneren des Sterns selbst verarbeitet worden war.

Der Planet wäre jünger als sein eigener Stern

Das führt zu einer kuriosen Situation.

Normalerweise sind Stern und Planeten ungefähr gleich alt.

Unser Sonnensystem entstand vor etwa 4,6 Milliarden Jahren, und auch die Erde ist ungefähr so alt wie die Sonne.

Ein Planet der zweiten Generation wäre dagegen deutlich jünger als der Sternrest, den er umkreist.

Der Weiße Zwerg entstand aus einem Stern, der vermutlich Milliarden Jahre gelebt hatte.

Der mögliche neue Planet wäre dagegen höchstens wenige Millionen Jahre alt.

Er wäre also ein astronomisches Baby in einem uralten Sternsystem.

Solche Planeten sind theoretisch nicht völlig neu

Die Idee von Planeten der zweiten Generation existiert schon länger.

Einige besonders exotische Planetensysteme könnten ähnlich entstanden sein.

Das bekannteste Beispiel sind Planeten um Pulsare.

Pulsare sind extrem kompakte Überreste massereicher Sterne, die als Neutronensterne zurückbleiben.

1992 wurden ausgerechnet um einen solchen Pulsar die ersten bestätigten Exoplaneten überhaupt entdeckt.

Es ist bis heute nicht vollständig geklärt, wie diese Planeten entstanden.

Eine Möglichkeit besteht darin, dass sie die Supernova ihres Sterns irgendwie überlebt haben.

Eine andere Möglichkeit ist, dass sie erst danach aus zurückgebliebenem oder erneut eingefangenem Material entstanden sind.

Ein Planet der zweiten Generation wäre deshalb grundsätzlich kein völlig unbekanntes theoretisches Konzept.

Bei einem Weißen Zwerg wurde ein vergleichbares Objekt bislang jedoch nicht überzeugend identifiziert.

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Der Planet selbst wurde noch nicht direkt fotografiert

Trotz der spektakulären Interpretation ist eine wichtige Einschränkung notwendig.

Niemand hat diesen Planeten direkt gesehen.

Die Autoren sprechen deshalb ausdrücklich von einem Planetenkandidaten.

Was direkt beobachtet wurde, ist die ungewöhnliche chemische Zusammensetzung der Atmosphäre des Weißen Zwergs.

Daraus schließen die Forscher, dass Material von einem Körper in seiner Umgebung auf den Stern fällt.

Zusätzliche Beobachtungen liefern Hinweise darauf, dass dieser Körper ein großer Planet sein könnte.

Doch ein direktes Bild des Objekts existiert bislang nicht.

Alle 4,4 Tage verändert sich die Helligkeit

Ein weiterer wichtiger Hinweis stammt aus Helligkeitsmessungen.

Die Astronomen fanden eine regelmäßige Veränderung mit einer Periode von 4,399 Tagen.

Die Helligkeit schwankt nur sehr geringfügig.

Die Amplitude beträgt ungefähr 0,12 Prozent.

Eine mögliche Erklärung wäre ein großer Planet, der den Weißen Zwerg alle 4,4 Tage umkreist.

Wenn eine Seite des Planeten stark vom heißen Stern aufgeheizt wird und die andere deutlich kühler bleibt, verändert sich während des Umlaufs die Menge der Wärmestrahlung, die wir beobachten.

Ein ähnliches Prinzip wird bei zahlreichen heißen Gasplaneten um normale Sterne verwendet.

Eine andere Möglichkeit wäre eine Schweifstruktur aus verdampfendem Material, die gelegentlich einen kleinen Teil des Sternlichts abschwächt.

Der Planet würde extrem nah an seinem Stern kreisen

Eine Umlaufzeit von nur 4,4 Tagen bedeutet, dass sich das Objekt sehr nahe am Weißen Zwerg befindet.

Die Autoren schätzen einen Abstand von ungefähr 0,04 Astronomischen Einheiten.

Eine Astronomische Einheit entspricht dem mittleren Abstand zwischen Erde und Sonne.

Der mögliche Planet wäre damit nur etwa sechs Millionen Kilometer von seinem Stern entfernt.

Merkur umkreist unsere Sonne im Durchschnitt in fast zehnmal größerer Entfernung.

Da der Weiße Zwerg allerdings viel kleiner ist als die Sonne, wäre der Planet trotz seines engen Orbits nicht zwangsläufig in direktem Kontakt mit dem Stern.

Die Strahlung ist dennoch extrem.

Der Stern verdampft vermutlich seinen eigenen Planeten

HS 0209+0832 ist noch sehr heiß.

Seine intensive ultraviolette Strahlung trifft auf die Atmosphäre des vermuteten Gasriesen.

Dadurch können Gasteilchen so stark aufgeheizt werden, dass sie der Gravitation des Planeten entkommen.

Der Planet verliert also langsam seine Atmosphäre.

Dieses Gas verteilt sich teilweise im Raum um den Weißen Zwerg.

Ein Teil davon wird anschließend von dessen enormer Schwerkraft eingefangen und fällt auf die Oberfläche.

Damit entsteht ein bemerkenswerter Kreislauf.

Der alte Stern stößt Material ab.

Aus einem Teil davon entsteht möglicherweise ein neuer Planet.

Der Sternrest bestrahlt diesen Planeten.

Der Planet verliert wieder Material.

Und dieses Material fällt schließlich zurück auf den Stern, aus dem es ursprünglich gekommen sein könnte.

Genau deshalb können wir den Planeten chemisch untersuchen

Normalerweise ist es extrem schwierig, die chemische Zusammensetzung eines Exoplaneten detailliert zu bestimmen.

Planeten sind klein und lichtschwach.

Bei HS 0209+0832 hilft ausgerechnet seine Zerstörung.

Da Material des Planeten auf den Weißen Zwerg fällt, wird dessen Atmosphäre zu einer Art chemischem Messgerät.

Die Elemente absorbieren bestimmte Wellenlängen des Sternlichts.

Astronomen können deshalb aus großer Entfernung bestimmen, woraus das eingefangene Material besteht.

Das Verfahren ist besonders empfindlich.

Weiße Zwerge besitzen relativ einfache Atmosphären, sodass zusätzliche Elemente oft deutlich auffallen.

Auf diese Weise können Astronomen gewissermaßen die chemischen Bestandteile zerstörter Planetenkörper untersuchen, ohne diese jemals direkt zu sehen.

Warum das Material nicht einfach aus dem Stern selbst stammt

Eine naheliegende Frage lautet, ob die ungewöhnlichen Elemente nicht einfach aus tieferen Schichten des Weißen Zwergs stammen könnten.

Die Forscher untersuchten auch diese Möglichkeit.

Die starke Schwerkraft sorgt jedoch dafür, dass schwere Elemente sehr schnell nach unten sinken.

Bei mehreren der beobachteten Stoffe betragen die entsprechenden Zeitskalen nur Tage.

Ohne kontinuierliche Zufuhr müssten diese Elemente deshalb rasch aus der sichtbaren Atmosphäre verschwinden.

Die Tatsache, dass sie vorhanden sind, spricht dafür, dass aktuell Material von außen auf den Weißen Zwerg fällt.

Auch Strahlungsdruck erklärt die Zusammensetzung nicht

Bei heißen Weißen Zwergen existiert allerdings ein zusätzlicher Effekt.

Intensive Strahlung kann bestimmte Atome teilweise gegen die Schwerkraft in der Atmosphäre halten.

Dieser Vorgang wird als radiative Levitation bezeichnet.

Die Forscher berechneten deshalb für jedes relevante Element, ob dieser Effekt seine beobachtete Häufigkeit erklären könnte.

Für einige Elemente spielt die radiative Unterstützung tatsächlich eine gewisse Rolle.

Für Calcium, Titan, Eisen, Nickel, Kupfer, Zink und Niob war sie jedoch vernachlässigbar.

Gerade die ungewöhnlichsten Elemente müssen deshalb von außen nachgeliefert werden.

Niob macht die zweite Generation besonders plausibel

Der entscheidende Punkt ist nicht einfach, dass der Weiße Zwerg Metall enthält.

Das passiert relativ häufig.

Entscheidend ist das Muster der Elemente.

Ein gewöhnlicher Planet der ersten Generation entsteht aus der ursprünglichen Gas- und Staubscheibe eines jungen Sterns.

Seine chemische Zusammensetzung spiegelt damit grundsätzlich das Material wider, aus dem auch der Stern entstand.

Ein Planet der zweiten Generation entsteht dagegen aus Materie, die bereits durch den Stern hindurchgegangen ist.

Diese Materie wurde durch Kernreaktionen verändert.

Insbesondere die starke Anreicherung von Elementen des s-Prozesses wäre deshalb ein chemisches Erkennungszeichen.

Niob ist in diesem Fall der wichtigste Hinweis.

Es funktioniert gewissermaßen wie ein Herkunftsstempel des alten Sterns.

Trotzdem gibt es noch alternative Erklärungen

Die Forscher selbst formulieren vorsichtig.

Der Planet ist ein Kandidat.

Auch die Entstehungsgeschichte ist eine Interpretation der vorhandenen Daten.

Es könnte theoretisch kompliziertere Szenarien geben, bei denen ein bereits existierender Planet ungewöhnliches Material des alternden Sterns aufgenommen hat.

Auch Wechselwirkungen zwischen mehreren Körpern könnten die heutige Zusammensetzung beeinflusst haben.

Die Autoren argumentieren allerdings, dass das Gesamtbild besonders gut zu einem Objekt passt, das vollständig oder zumindest überwiegend aus den ausgestoßenen Schichten des alten Sterns entstanden ist.

Um das zu bestätigen, wären weitere Beobachtungen notwendig.

Neue Teleskope könnten den Kandidaten bestätigen

Besonders wichtig wären zusätzliche präzise Helligkeitsmessungen.

Wenn sich der 4,4-Tage-Zyklus dauerhaft bestätigt, stärkt dies die Interpretation eines umlaufenden Körpers.

Auch weitere spektroskopische Beobachtungen könnten zeigen, wie sich die Menge des einfallenden Materials verändert.

Infrarotmessungen könnten möglicherweise Wärmestrahlung des Objekts oder einer umgebenden Scheibe aufspüren.

Je nach Größe und Temperatur könnte auch das James-Webb-Weltraumteleskop weitere Informationen liefern.

Die Autoren weisen zudem darauf hin, dass zukünftige Beobachtungen klären könnten, ob der Planet tatsächlich ein Gasriese ist und wie schnell er seine Atmosphäre verliert.

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Auch unser Sonnensystem wird einmal völlig anders aussehen

Die Entdeckung ist nicht nur wegen des exotischen Planeten interessant.

Sie zeigt, wie radikal sich Planetensysteme nach dem Tod ihrer Sterne verändern können.

Wenn unsere Sonne in einigen Milliarden Jahren zum Roten Riesen wird, dürfte Merkur sicher und Venus sehr wahrscheinlich zerstört werden.

Was mit der Erde geschieht, hängt von verschiedenen physikalischen Prozessen ab und ist schwieriger vorherzusagen.

Die äußeren Planeten werden den Masseverlust der Sonne dagegen wahrscheinlich überleben und sich auf weiter außen liegende Umlaufbahnen bewegen.

Asteroiden, Monde und andere Kleinkörper können anschließend durch gravitative Störungen auf neue Bahnen gebracht werden.

Ein Teil davon könnte schließlich auf den Weißen Zwerg fallen.

Genau solche Prozesse beobachten Astronomen bereits bei vielen anderen Sternresten.

Vielleicht beginnt nach dem Ende noch einmal eine Planetenentstehung

HS 0209+0832 eröffnet nun eine noch ungewöhnlichere Möglichkeit.

Der Tod eines Sterns muss nicht nur alte Planeten zerstören oder ihre Umlaufbahnen verändern.

Unter bestimmten Bedingungen könnte er das Rohmaterial für völlig neue Welten liefern.

Die abgestoßenen äußeren Schichten enthalten Gas, Staub und chemische Elemente, die der Stern während seines Lebens selbst produziert hat.

Wenn ein Teil davon eine stabile Scheibe bildet, könnte der Prozess der Planetenentstehung erneut beginnen.

Damit würde ein Sternsystem gewissermaßen einen zweiten Lebenszyklus erhalten.

Die erste Planetengeneration entsteht gemeinsam mit dem jungen Stern.

Milliarden Jahre später stirbt der Stern.

Und aus seinen Überresten könnte eine zweite Planetengeneration hervorgehen.

Der neue Planet trägt die Asche seines Sterns in sich

Gerade seine chemische Zusammensetzung macht den möglichen Planeten so außergewöhnlich.

Ein gewöhnlicher Planet besteht aus Material, das schon existierte, bevor sein Stern zu leuchten begann.

Dieser Kandidat könnte dagegen teilweise aus Elementen bestehen, die erst während des Lebens seines eigenen Sterns erzeugt wurden.

Das ist mehr als nur eine poetische Formulierung.

Die ungewöhnlich hohen Konzentrationen von Niob und anderen Elementen sind genau das Signal, das die Forscher von einem solchen Ursprung erwarten.

Der Planet wäre damit buchstäblich aus der Asche seines Sterns entstanden.

Und nun fällt diese Asche zurück

Das System besitzt damit eine fast kreisförmige Geschichte.

Der ursprüngliche Stern erzeugte schwere Elemente.

Am Ende seines Lebens schleuderte er sie ins All.

Aus dem Material könnte ein neuer Planet entstanden sein.

Nun verdampft der heiße Sternrest diesen Planeten teilweise wieder.

Seine Atmosphäre strömt zurück zum Weißen Zwerg und hinterlässt dort genau jene chemischen Fingerabdrücke, anhand derer Astronomen seine Herkunft rekonstruieren können.

Ohne diese langsame Zerstörung wäre der Planet möglicherweise unentdeckt geblieben.

Ausgerechnet sein Untergang liefert den Hinweis auf seine Geburt. Mehr dazu finden Sie hier.

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